#CasinoSecrets: Der Curaçao-Leak und Softswiss

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Auf den Punkt gebracht: Eine deutsche Hackerin saß neun Monate lang in den Servern der Glücksspielbehörde von Curaçao. Was sie fand, ist ein Milliardenbusiness: 8.200 Casino-Domains, ein Software-Riese namens Softswiss, Strohmänner aus Georgien und 1,75 Milliarden Euro, die deutsche Spieler 2025 verloren haben.

Was ist passiert?

Stell dir vor, du zockst in einem Krypto-Casino. Der Support antwortet schnell, das Design sieht gut aus, die Spiele-Auswahl ist riesig. Aber irgendwie fühlt sich alles vertraut an – auf fast jeder Plattform. Als ob im Hintergrund immer dieselben Leute die Fäden ziehen.

Genau so ist es. Und seit dem 22. September 2026 wissen wir es schwarz auf weiß.

Die Berliner IT-Sicherheitsforscherin Lilith Wittmann vom Chaos Computer Club hat neun Monate lang unbemerkt in den Servern der Curaçao Gaming Authority (CGA) gesessen – mit Administrator-Rechten. Sie konnte jeden Lizenzantrag, jeden Kreditvertrag und die echten Pässe der Casino-Hintermänner live mitlesen.

Als die Sicherheitslücke am 17. September geschlossen wurde, lag die Wahrheit auf dem Tisch: Über 8.200 Live-Casino-Domains stecken in der Datenbank der Behörde.

Curaçao: Die Lizenzfabrik für illegale Casinos

Kurz zur Einordnung, warum Curaçao überhaupt relevant ist:

Curaçao ist Teil des Königreichs der Niederlande, gehört aber nicht zur EU. Die Insel verkauft Offshore-Glücksspiellizenzen für 47.450 Euro pro Jahr. Deutschland erkennt diese Lizenzen nicht an – wer sich mit so einer Lizenz an deutsche Spieler richtet, betreibt illegales Glücksspiel.

Das Problem: Curaçao hat kein öffentliches Handelsregister. Niemand kann nachschauen, wem die Casinos wirklich gehören.

Laut CGA sind derzeit 550 Lizenzen aktiv. Auf 8.200 Domains. Rechnerisch kommt auf Curaçao ein Online-Casino auf etwa 20 Einwohner.

Das Softswiss-Netzwerk: Strohmänner aus Tiflis

Der Leak zeigt vor allem, wie Softswiss tickt – ein Software-Riese, der sich auf Messen jahrelang als sauberer Dienstleister präsentiert hat.

Die Geschichte beginnt 2009 in Minsk, Belarus. Ivan Montik gründet Softswiss. 2013 verkauft die Firma nach eigenen Angaben Casino-Software. Klingt erstmal harmlos.

Aber die internen Prüfprotokolle der CGA bezeichnen die Betreibergesellschaften wie die berühmte Dama N.V. intern ganz offen als „Softswiss sponsored“.

Und jetzt wird’s wild: Am 1. Juli 2021 – pünktlich zum neuen deutschen Glücksspielstaatsvertrag – verkauft Montik seine Firma in Curaçao. Die neuen Eigentümer? Nana Gugeshashvili, Jahrgang 1959, aus Georgien. Kein nennenswertes Vermögen. Keine Erfahrung in der iGaming-Branche. Im Internet existiert sie praktisch nicht.

So gehört einem Geister-Profil auf dem Papier ein Netzwerk, in dem Spieler allein 2021 510 Millionen Euro verloren – bei 127 Millionen Euro Gewinn.

Und Gugeshashvili ist kein Einzelfall. Von fünf Personen, die alle Glücksspielfirmen im Softswiss-Netzwerk halten, leben vier in Georgien. Keiner hat einen nachvollziehbaren Bezug zur Glücksspielindustrie.

1,75 Milliarden Euro – und kein Ende

Allein 2025 verloren Spieler in den Casinos des Softswiss-Netzwerks nach Berechnungen von Wittmann mehr als 1,75 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Das entspricht laut Jahresbericht der deutschen Glücksspielbehörde etwa den Spielverlusten aller legalen Online-Casinos in Deutschland zusammen.

Und das, obwohl sich Softswiss nach außen als reiner Softwareanbieter gibt. Intern zeigen Dokumente aus Malta und Curaçao: Montik hält an vielen Unternehmen 40 bis 50 Prozent. Der Rest gehört seinen Geschäftspartnern Dzmitry Yaikau und Pavel Kashuba.

Die Klon-Maschine: platincasino122.com

Das Datenmaterial zeigt auch, wie die Industrie europäische Netzsperren umgeht.

Die CGA hat eine Funktion, mit der zu jeder Casino-Domain alternative Domains hinterlegt werden können. Für diese Funktion gibt es sogar eine API – also eine Programmierschnittstelle, über die neue Domains vollautomatisch konfiguriert werden können.

Beim in Deutschland beliebten Platincasino wurde als Primärdomain platincasino.com eingetragen. Wenige Tage später wurden platincasino1.com und platincasino2.com hinzugefügt. Alle Domains bis platincasino122.com sind bereits registriert.

Wenn eine Behörde also eine Sperrverfügung umsetzt, können die Anbieter diese in Sekunden umgehen. Die Domain ist sofort im Sinne der CGA „lizenziert“ – ohne manuellen Eingriff eines Behördenmitarbeiters.

Askgamblers: Schiedsstelle oder Marketing-Tool?

Ein weiteres Ergebnis: Die Unabhängigkeit von Casino-Schiedsstellen wie Askgamblers ist ein Mythos.

Im April 2026 legte die HSJ Consult ein Prüfdokument für die Firma Just Entertainment an. Darin wurde vermerkt, dass die geprüfte Firma Askgamblers als außergerichtliche Schiedsstelle einsetzt. Die Prüfer hielten fest: Der Einsatz sei „unfair“, weil es Geschäftsbeziehungen zwischen Askgamblers und der Firma selbst im Werbebereich gebe.

Askgamblers schlichtet also gleichzeitig Streitigkeiten und verdient daran, wenn sie Spieler für die Casinos wirbt.

Trotzdem empfahl HSJ die Fortführung der Lizenz – und die CGA folgte dieser Empfehlung.

BGaming = Belarussian Gaming

Nebenbei: Das bekannte Spiele-Studio BGaming ist komplett in Softswiss-Besitz. Die wahren Gründer stammen aus Belarus. Der ironische Schluss liegt nahe: BGaming steht schlichtweg für „Belarussian Gaming“.

Was heißt das für dich als Spieler?

Ganz ehrlich: Wenn du auf einer dieser 8.200 Domains zockst, spielst du in einem Netzwerk, das von Strohmännern kontrolliert wird, die kein Eigenkapital besitzen und sich über Millionen-Kredite gegenseitig finanzieren. Die CGA-Prüfer vermuten intern, dass Softswiss den absoluten Großteil des Gewinns erhält – während die wahren Gründer in Villen im Berliner Grunewald sitzen.

Die Ära der Anonymität ist vorbei. Die Daten liegen offen im Netz. Für die Profiteure, die dieses illegale 1,75-Milliarden-Euro-Business aus Deutschland heraus gesteuert haben, dürfte der rechtliche Druck massiv zunehmen.

Wer tiefer einsteigen will: Die vollständigen Artikel von Lilith Wittmann gibt’s in ihrem Blog unter Casinolizenzen aus Curaçao und Softswiss – Milliardenbusiness in Berlin.

Hier zocke ich selbst

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